Im Alltag

MitGefühl leben

Kleine Geschichten aus dem Leben wenn MitGefühl mitten im Alltag passiert.

In der Reha habe ich mich häufiger mit einem älteren Mann unterhalten, der in seinem Leben schon viele traurige Erfahrungen gemacht hat. Bei einem Einkaufsbummel in der kleinen Stadt sah ich eine Postkarte, die aus meiner Sicht gut zu ihm passen würde. Ich habe sie gekauft, noch ein paar persönliche Zeilen hinten drauf geschrieben und ihm gegeben. Er war total überrascht und sehr gerührt. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eine Postkarte geschenkt bekommen. Die bekommt einen Ehrenplatz!“ Nun war die Rührung auf meiner Seite, denn die Erfahrung, mit so einer kleinen Geste so eine große Freude bereitet zu haben, hat auch mich sehr glücklich gemacht.

Ich bin im Urlaub, es ist heiß und ich komme aus dem Wasser. Unter einem Baum sitzt eine alte Frau im Schatten auf einem Plastikstuhl. Sie wirkt erschöpft und gleichzeitig froh, sich dort ausruhen zu können. Ich lächle sie an und sage „Hallo“. Sie erwidert den Gruß, ohne eine Miene zu verziehen. Ich entscheide, mich nicht abschrecken zu lassen, und sage im Vorbeigehen: „So lässt es sich aushalten!“ Sie schaut mich an, überlegt und sagt: „Ja, so lässt es sich aushalten. Genauso.“ Dann lächelt sie zurück, und ich gehe weiter. Was für eine schöne Begegnung!

Es ist heiß und trocken, und in den Medien wird darauf hingewiesen, dass auch die Tiere darunter leiden und manche von ihnen sogar verdursten. Darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht und überlege, was ich tun kann. Ich informiere mich und stelle in meinem Garten verschiedene Wasserstellen auf – für große und kleine Durstige. Plötzlich kommt mir der Gedanke, dass das ja auch MitGefühl ist, und ich freue mich noch mehr.

Wenn ich nach einem Regenschauer mit meinem Hund laufe, sehe ich immer wieder Regenwürmer auf der immer trockener werdenden Straße liegen, und es war mir schon immer ein Bedürfnis, sie aufzuheben und ins Gras zu tragen. Häufig werde ich dafür belächelt und rechtfertige mich: „Aber sonst schafft er es ja wahrscheinlich nicht ins rettende Gras und stirbt.“ Die Antwort lautet dann meistens: „Ist doch nur ein Regenwurm.“ Ich machte es trotzdem weiterhin, hab mich aber schon manchmal gefragt, ob ich komisch bin.

Seit ich mir Gedanken über MitGefühl mache, merke ich, dass ich gestärkt bin in meinem Tun – nicht nur bei den Regenwürmern, denn nun ist mir bewusst, dass ich schon immer viel MitGefühl verschenkt habe, und das freut mich riesig. Ich warte förmlich auf die nächste Regenwurm-Aktion und will unbedingt meine Antwort anbringen: „Das ist MitGefühl“ oder „Ich verschenke hier gerade MitGefühl“.

Worte, die berühren

Texte, Gedichte und Zitate

Nelson Mandela

„Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind. Unsere tiefgreifendste Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das uns am meisten Angst macht. Wir fragen uns, wer bin ich, mich brillant, talentiert, phantastisch zu nennen? Aber wer bist du, dich nicht so zu nennen? Du bist ein Kind Gottes. Dich selbst klein zu machen, dient nicht der Welt. Es ist nichts Erleuchtetes daran, sich so klein zu machen, dass andere um dich herum sich nicht unsicher fühlen. Wir sind alle bestimmt zu leuchten, wie es Kinder tun. Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren. Er ist nicht nur in einigen von uns, er ist in jedem einzelnen. Und wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun. Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart auch automatisch andere.“

Nelson Mandela

„Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten“

Hilde Domin

„Nicht außerhalb, nur in sich selbst soll man den FRIEDEN suchen. Wer die innere Stille gefunden hat, der greift nach nichts, und er verwirft auch nichts.“

Buddha

Virginia Satir

„Das Leben ist nicht das, was es sein sollte. Es ist, was es ist. Die Art und Weise, damit umzugehen, macht den Unterschied. Wir dürfen nicht zulassen, dass uns die begrenzte Wahrnehmung anderer Menschen definiert. Wir brauchen vier Umarmungen am Tag, um zu überleben. Wir brauchen acht Umarmungen am Tag, um uns selbst zu versorgen. Wir brauchen zwölf Umarmungen am Tag, um zu wachsen. Niemand kann einen anderen davon überzeugen, sich zu ändern. Jeder von uns hat eine Tür zur Veränderung, die nur von innen geöffnet werden kann. Betrachte alle Schwierigkeiten als Möglichkeiten, etwas Neues zu schaffen, zu lernen und aus der kreativen Art und Weise, wie du reagierst, zu wachsen.“

Virginia Satir

Pema Chödrön

„Mitgefühl ist nicht eine Beziehung zwischen einem Heilenden und einem Leidenden. Es ist eine Beziehung auf Augenhöhe. Nur wenn wir unsere eigenen Schattenseiten gut kennen, können wir für die dunklen Seiten anderer präsent sein. Mitgefühl wird Wirklichkeit, wenn wir die uns verbindende Menschlichkeit in uns und im anderen erkennen.“

Pema Chödrön

Albert Einstein

„Das Mitgefühl mit allen Geschöpfen ist es, was den Menschen erst wirklich zum Menschen macht.“

Albert Einstein

Peter Beer

„Mitgefühl ist eine Emotion, die unsere Welt heilen kann.“

Peter Beer

Hilde Domin

„Ich setzte den Fuß in die Luft, und sie trug.“

Hilde Domin

Hermann Hesse

„Wer nicht in diese Welt passt, der ist immer nahe daran, sich selbst zu finden.“

Hermann Hesse

So wie ich bin

„Ich träume davon,
dass jemand mich annähme,
einfach so wie ich bin,
mit meinen ungereimten Wünschen,
unfertigem Charakter
und alten Ängsten.

Ich träume davon,
dass jemand mich gelten lässt,
ohne mich zu erziehen,
mit mir übereinstimmt,
ohne sich anzustrengen.

Ich träume davon,
dass ich mich nicht verteidigen muss,
nicht erklären und kämpfen muss,
dass einer mich liebt.“

Otti Pfeiffer

Momo, Michael Ende

„Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: Zuhören. Das ist nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, das war ganz und gar einmalig.

Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie gedacht hatte, dass sie in ihm steckten.

Sie konnte so zuhören, dass rastlose und unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf – und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war. So konnte Momo zuhören!“

Michael Ende, Momo (1973)

Astrid Lindgren

„Ich glaube, dass die Liebe der eigentliche Sinn des Lebens ist. Wo es Liebe gibt, ist kein Platz für Gewalt und Machtmissbrauch und Unterdrückung.“

Astrid Lindgren

Weiterlesen, weiterhören

Artikel, Bücher und Blogs

Gefühle sind keine Krankheit

Buch

Gefühle sind keine Krankheit

Warum wir sie brauchen und wie sie uns zufrieden machen. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu den großen Volkskrankheiten Angst und Depressionen. Christian Peter Dogs, Nina Poelchau – Buch (Taschenbuch).

Mitgefühl – Artikel in Psychologie Heute

Artikel

Mitgefühl

Mit anderen zu empfinden stärkt das soziale Miteinander – und die eigene seelische Gesundheit. Ingrid Strobl, in: Psychologie Heute.

Lied

Kinder – Bettina Wegner

Ein Lied für meine Kinder, für alle Kinder, und erst recht für Erwachsene – Bettina Wegner.

Dem Leben entfremdet – Arno Gruen

Buch

Dem Leben entfremdet – Arno Gruen

Warum wir als Originale geboren werden und meistens als Kopien sterben. Wir leben in einer vollkommen durchkonstruierten Welt und sind unfähig, lebendig, mitfühlend und empathisch die Wirklichkeit wahrzunehmen.

Ein Sieg für Kasimir – Bethany Christou

Kinderbuch

Ein Sieg für Kasimir – Bethany Christou

Kasimir, das Krokodil, fühlt sich im Wasser rundum wohl. Aber Schwimmwettkämpfe findet er schrecklich. Schließlich haben bisher alle in seiner Familie sportliche Höchstleistungen vollbracht – klar, dass auch Kasimir auf dem Siegertreppchen stehen soll. Doch dann bringt ein kleiner Frosch das traurige Krokodil auf eine großartige Idee.

Der Verlust des Mitgefühls

Buch

Der Verlust des Mitgefühls – Arno Gruen

Die Frage nach dem Mitgefühl des Menschen ist die Frage nach seinem Menschsein. Um unser Mitgefühl ist es schlecht bestellt – woran liegt das? Es geht, so zeigt das Buch, um die Art, wie wir aufwachsen, um die Geschichte unserer Kindheit. Arno Gruen – Buch (Taschenbuch).

Gute Tage, schlechte Tage

Blog-Artikel

Gute Tage, schlechte Tage: Vom Auf und Ab der Gefühle

Ein Artikel einer Journalistin und vierfachen Mutter. Stadtmama Katharina – Blog-Artikel.

Extrem sensibel!

Dokumentation

Extrem sensibel! Welche Macht haben Gefühle? (ARTE)

Für Zaho de Sagazan ist Musik ein Ventil für tiefe Traurigkeit. Chiharu Shiota verarbeitet in ihrer Kunst auch die Angst vor dem Tod. Schriftsteller Matt Haig erlebte Panikattacken und Depressionen. Choreograf Alexander Ekman bezeichnet sich als hochsensibel und zeigt auf der Bühne, welche Macht Emotionen haben. Im Sog der Gefühle entsteht große Kunst.